Femmes regionales
Mie Albaek Nielsen und Caroline Hansen
Einige haben Talent. einige haben Ideen. Wahre Kunst ist, beides zu verbinden. Willkommen im kunterbunten Universum von Mie Albæk Nielsen und Caroline Hansen!
Dabei ist es besonders ihre Herangehensweise, die sie von anderen Designbüros unterscheidet: Es werden Ideen, Bilder, Material gesampelt, recycled, neu zusammengesetzt, „Granny and Goth“, „Trash and Techno“ zusammengeschmissen. Dabei entstehen auch höchst konzeptuelle Projekte wie „Home Sweat Colour“, für das Mie und Caroline Räume eines Studentenwohnheims jeweils in Farben einer Farbfamilie ausstatteten. Das ist so ungewöhnlich wie beliebt, sodass Femmes Regionales mittlerweile eines der grössten und erfolgreichsten Event- und Designbüros Dänemarks sind.
XXX: Ich würde nicht sagen, dass unsere Arbeit irgendwie spezieller ist, als die anderer Designer, das würde ein wenig zu weit gehen. Aber ich glaube, dass wir einen sehr unverkennbaren Stil haben und selbst sehr kommerziellen Projekten immer eine besondere Note geben. Ich glaube, das liegt daran, dass wir sehr analytisch und konzeptuell arbeiten und nicht von Beginn an auf das Gesamtprojekt oder besser gesagt das Endprodukt fokussiert sind. Die Methode, die Herangehensweise an ein Projekt ist uns sehr wichtig.
Nun seid ihr schon das fünfte Mal in Folge für das Gesamtkonzept der CIFF Trendshow zuständig, einer der wichtigsten Einkäufermessen im Bereich Mode, die zweimal im Jahr zeitgleich mit der Copenhagen Fashionweek abgehalten wird. Das klingt nach einem sehr grossen Projekt. Wie kam es dazu?
Ein sehr guter Freund hat uns weiterempfohlen und die zugegebenermassen sehr offene und visionäre Messeleitung gab uns eine Chance, weil ihnen unser Stil sehr gut gefiel. Man muss wissen, dass wir bis zum Start der Zusammenarbeit erst einige kleinere Akademieausstellungen gemacht hatten. Somit war das schon damals ein sehr grosses Projekt für uns, in das wir uns richtig einarbeiten konnten, vor allem auch weil Ziel war, der gesamten doch sehr kommerziellen Messe einen jüngeren, trendbezogeneren Rahmen zu geben.
Wir stellen für jedes Projekt je nach Anforderungen ein Team zusammen und geben die Richtlinien vor. Alles Kreative, wie Styling, Design, Graphics, Showpieces, machen wir aber selbst.
Im Gegensatz zu solch grossen eher kommerziellen Projekten stehen dann Arbeiten wie „Home Sweet Colour“, das schon fast als Kunstprojekt interpretiert werden kann. Worum genau geht es bei diesem Experiment, und wie verträgt sich ein solches, eher konzeptuelles Projekt mit der Art von Arbeit, die ihr beispielsweise für die CIFF macht?
Bei „Home Sweet Colours“ ging es darum, die Vorstellung davon, wie wir privaten Raum, im Gegensatz zu öffentlichem Raum nutzen, genauer zu untersuchen. Was passiert mit einem Raum, der komplett mit Farben einer Farbfamilie ausgestattet ist, wenn du ihn bewohnst? Es war ein ganz fantastisches Projekt, weil wir konsequent sein konnten. Oft sind Kunden gerade an solchen extremen Umsetzungen interessiert, buchen dann aber so etwas nicht für ihre eigenen Kampagnen. Das ist sehr schade, aber auch verständlich. Somit sind wir sehr froh, dass wir so etwas einmal machen konnten.
Ihr habt beide einen Master-Abschluss in Modedesign. Warum habt ihr nicht einfach ein Label gegründet?
Klar hätten wir auch ebenso gut ein Modelabel gründen können. Uns interessierte aber schon immer auch die Kommunikation der Produkte, die wir erzeugen. Wir wollen Fragen aufwerfen, Welten kreieren, da schien es uns ganz natürlich, ein Designbüro zu gründen. Vor allem auch, weil es bislang noch keine Büros mit eben einem solchen Hintergrund und der entsprechenden Herangehensweise in Dänemark gab. Unseren Modehintergrund konnten wir bisher immer sehr erfolgreich nutzbar machen, bei jedem Projekt. Überall ist unsere Liebe zur Struktur, zur Farbe und zur Komposition wiederzuentdecken. Die Arbeit an einem Modelabel allein hätte unsere vielseitigen Interessen nicht abdecken können.
Woraus zieht ihr eure Inspiration?
Wir finden überall Inspiration: auf Reisen, im Kino, im Theater, in Ausstellungen, beim Beobachten von Leuten oder selbst in einem weggeworfenem Bonbonpapier auf der Strasse. Natürlich nutzen wir auch das Internet, als schnelle und verlässliche Referenz, auch wenn es uns oft im Gegensatz zu anderen Inspirationsquellen ein wenig seelenlos erscheint.
Kopenhagen ist das Designzentrum in Dänemark, und das hat natürlich auch einen grossen Einfluss auf unsere Arbeit. Wenn man in Kopenhagen lebt, weiss man diese Liebe für gutes Design oft gar nicht so zu schätzen, wie es beispielsweise Besucher der Stadt tun. Manchmal sehnen wir uns sogar nach mehr Unfertigkeit und weniger Ordnung und lieben daher das Raue und Zerstückelte solcher Metropolen wie London, Paris oder Berlin.
Ihr arbeitet nicht nur an eigenen Projekten, sondern gebt auch euer Wissen weiter, indem ihr Workshops und Lesungen anbietet. Was ist die Motivation hinter diesen Veranstaltungen?
Wir haben schon immer gern unsere Ideen geteilt. So kamen wir auch überhaupt erst zusammen. Wir haben immer sehr offen kommuniziert, was wir möchten und was wir uns vorstellen und haben schon während unseres Studiums begonnen, uns gegenseitig zu unterstützen. Wir glauben an den Erfolg einer solchen offenen Herangehensweise und wollen das unter Studenten und professionell arbeitenden Designern ein wenig voranbringen, in Form von Workshops, in denen es ums Networking geht und um Innovationen.
Viele eurer Arbeiten sind nicht ohne Ironie zu verstehen, besonders Arbeiten wie „Totally Overdone It“ oder das „Copyright“-Projekt. Einerseits bringt es den Betrachter zum Schmunzeln, auf der anderen Seite geht es aber auch immer darum, auf einen Missstand aufmerksam zu machen. Übernehmen eure Entwürfe auch erzieherische Funktionen?
Wenn unsere Arbeiten einen erzieherischen Wert haben, dann finden wir das wunderbar. Allerdings geht es uns nicht darum, Antworten oder Vorgaben zu formulieren. Oft stellen wir einfach eine Frage in den Raum, auf die es gar keine klare Antwort gibt. Wir mögen es einfach, Dinge visuell zum Ausdruck zu bringen.
www.femmesregionales.com
von Mahret Kupka






